Unregelmäßige Periode, PMS, unreine Haut, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen: Viele Frauen erleben Phasen, in denen mit dem Hormonhaushalt etwas nicht zu stimmen scheint. Im Netz kursieren dazu viele Empfehlungen für „natürliche“ Nahrungsergänzungsmittel. Dieser Beitrag zeigt, was davon in Meta-Analysen und systematischen Übersichten untersucht wurde, und wie belastbar die Ergebnisse sind.
Wichtig: Dieser Beitrag ist keine Diagnose und keine Behandlungsempfehlung. Anhaltende Zyklusstörungen, starke PMS-Beschwerden oder der Verdacht auf PCOS oder eine Schilddrüsenerkrankung gehören ärztlich abgeklärt. Eine Selbstbehandlung mit Nahrungsergänzung kann eine nötige Diagnose verzögern. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel und dürfen nicht mit der Aussage beworben werden, sie heilen, lindern oder verhüten eine Krankheit. Die Studien untersuchen Wirkstoffe in bestimmten Mengen an bestimmten Personengruppen, nicht einzelne Produkte.
Woran Ärztinnen und Ärzte bei einem Verdacht denken
- Unregelmäßige, sehr starke oder ausbleibende Menstruation
- Akne, besonders am Kiefer, im unteren Gesichtsbereich oder am Rücken
- Ungewollte Gewichtsveränderungen
- Stimmungsschwankungen, die über normale zyklusbedingte Schwankungen hinausgehen
- Schlafstörungen und anhaltende Müdigkeit
- Haarausfall oder vermehrter Haarwuchs an untypischen Stellen
Die möglichen Ursachen reichen von chronischem Stress über Schilddrüsenerkrankungen bis zum polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS). Deshalb ist die ärztliche Abklärung der erste Schritt, nicht eine Nahrungsergänzung auf Verdacht.
Was die Forschung zu einzelnen Stoffen zeigt
Myo-Inositol (bei PCOS)
Das am besten untersuchte Mittel in diesem Themenfeld. Eine Meta-Analyse für die internationalen PCOS-Leitlinien 2023 (30 Studien, 2.230 Teilnehmerinnen, 19 davon in den Meta-Analysen) fand Hinweise auf Vorteile bei einzelnen Stoffwechselwerten und, für D-Chiro-Inositol, beim Eisprung. Bei anderen Zielgrößen zeigte sich kein Effekt. Die Autoren selbst bezeichnen die Evidenz als begrenzt und nicht abschließend. Im Vergleich mit Metformin beschreiben Übersichtsarbeiten für Myo-Inositol ähnliche Stoffwechselwerte bei weniger Magen-Darm-Nebenwirkungen.
Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus, bei PMS)
Eine systematische Übersichtsarbeit mit 17 randomisiert-kontrollierten Studien (14 davon in der quantitativen Auswertung) fand in 13 von 14 Studien einen positiven Effekt auf die PMS-Beschwerden insgesamt, verglichen mit Placebo, Vitamin B6 oder Magnesium. Die Autoren weisen zugleich auf ein hohes Verzerrungsrisiko, große Unterschiede zwischen den Studien und mögliche Publikationsverzerrung hin. Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber noch nicht gesichert. Größere, methodisch strengere Studien fehlen bisher.
Chrom (bei PCOS)
Eine randomisiert-kontrollierte Studie mit 85 Frauen mit PCOS (1.000 µg Chrompicolinat über sechs Monate) fand weniger Insulinresistenz und mehr Eisprünge gegenüber Placebo. Im Vergleich mit Metformin war Chrom bei der Blutzuckerkontrolle ähnlich wirksam und besser verträglich, bei erhöhten männlichen Hormonen war Metformin überlegen. Eine Meta-Analyse von 2025 zeigt ein gemischtes Bild: Der HOMA-IR war unter Chrom niedriger, beim zweiten Maß der Insulinempfindlichkeit (QUICKI) gab es keinen Unterschied. Die Autoren halten mehr und größere Studien für nötig.
Mariendistel (Silymarin)
Wird oft mit „Hormonentgiftung über die Leber“ verbunden. Dazu fanden wir in den ausgewerteten Übersichtsarbeiten keine Belege. Die Studien betreffen die Leber selbst: Eine Meta-Analyse von 2017 sah nur eine geringe, klinisch kaum relevante Senkung der Leberwerte ALT und AST. Eine ältere Übersichtsarbeit (29 Studien, 3.846 Teilnehmende) fand keinen Vorteil bei der Sterblichkeit. Bei Leberschäden durch Tuberkulose-Medikamente zeigte sich in einer Meta-Analyse ein deutlicherer Effekt.
Maca
Eine systematische Übersichtsarbeit von 2022 wertete 57 Studien aus. In 55 davon wurden positive Effekte auf Sexualfunktion, Wechseljahrsbeschwerden oder verwandte Beschwerden berichtet. Vier randomisierte Studien bei Frauen in den Wechseljahren zeigten günstige Ergebnisse auf Beschwerde-Skalen. Frühere Übersichtsarbeiten bewerten die Beweislage wegen kleiner Stichproben und uneinheitlicher Methodik trotzdem als begrenzt. Maca ist damit vielversprechend untersucht, aber nicht bewiesen.
Reishi und Cordyceps
Diese Pilze werden oft pauschal für „hormonelle Balance“ genannt. Die Studienlage betrifft überwiegend andere Fragen: Cordyceps verbesserte in einer Meta-Analyse Ausdauerwerte (VO2peak), Reishi senkte in Studien den Blutlaktatwert. Reishi wurde bei Krebspatientinnen unter Chemotherapie auf die Immunzellen untersucht, Cordyceps bei COPD auf die Lungenfunktion. Eine Meta-Analyse zum weiblichen Hormonhaushalt haben wir nicht gefunden.
TUDCA
TUDCA ist in Studien vor allem bei Lebererkrankungen untersucht, etwa bei Leberzirrhose. In einer kleinen Studie mit 20 adipösen Erwachsenen verbesserte sich die Insulinempfindlichkeit von Leber und Muskel. Eine Studie zu Hormonhaushalt, PMS oder Zyklusstörungen bei Frauen haben wir nicht gefunden.
Ernährung und Alltag
Unabhängig von einzelnen Ergänzungen gilt für den Hormonhaushalt, was auch sonst für die Gesundheit gilt: ausreichend gesunde Fette, viel Gemüse und Obst, wenig stark verarbeitete Lebensmittel und Zucker, genug Flüssigkeit und Schlaf. Diese Basis ist besser erforscht als jedes Einzelpräparat.
Unser Sortiment
Die Wirkstoffe aus diesem Beitrag, die du bei uns findest:
- Myo-Inositol: Osavi Inositol 600 mg, 100 vegane Kapseln
- Mönchspfeffer: ProFuel Mönchspfeffer, 365 Tabletten
- Chrom: BioTechUSA Chromium Picolinate, 60 Tabletten
- Mariendistel: BioTechUSA Milk Thistle, 60 Kapseln
- Maca: BioTechUSA Maca, 60 Caps
- Reishi und Cordyceps: Osavi Reishi 1000 mg · Osavi Cordyceps 1200 mg
Die beschriebenen Studien beziehen sich auf die Wirkstoffe, nicht auf diese Produkte. Eine Aussage über die Wirkung eines bestimmten Produkts ist damit nicht verbunden.
Fazit
Am besten untersucht sind Myo-Inositol bei PCOS und Mönchspfeffer bei PMS, beide mit vielversprechenden, nach Einschätzung der Fachliteratur selbst aber noch nicht abschließend gesicherten Ergebnissen. Für Chrom bei PCOS gibt es einzelne gute Studien. Bei Mariendistel, Reishi, Cordyceps und TUDCA betrifft die Studienlage andere Fragen als den Hormonhaushalt, bei Maca ist die Evidenz noch dünn. Wer anhaltende Beschwerden hat, sollte zuerst die Ursache ärztlich abklären lassen. Nahrungsergänzung kann in der Forschung ein untersuchter Baustein sein, aber kein Ersatz für Diagnose und Behandlung.
Quellen
- Inositol for Polycystic Ovary Syndrome: A Systematic Review and Meta-analysis to Inform the 2023 Update of the International Evidence-based PCOS Guidelines. J Clin Endocrinol Metab (2024). Oxford Academic
- Myoinositol Versus Metformin in the Treatment of Polycystic Ovarian Syndrome: A Systematic Review. PMC10421410
- The treatment of premenstrual syndrome with preparations of Vitex agnus castus: a systematic review and meta-analysis. Am J Obstet Gynecol (2017). PubMed 28237870
- Vitex agnus castus for premenstrual syndrome and premenstrual dysphoric disorder: a systematic review. PubMed 29063202
- Chromium picolinate reduces insulin resistance in polycystic ovary syndrome: Randomized controlled trial. J Obstet Gynaecol Res (2016). Wiley
- Effectiveness of mineral supplements (magnesium, chromium, zinc, selenium, chromium picolinate) in reducing insulin resistance in polycystic ovary syndrome: a meta-analysis of randomized controlled trials. BMC Endocrine Disorders (2025). Springer Nature
- Effect of silymarin on biochemical indicators in patients with liver disease: Systematic review with meta-analysis. PMC5526770
- Milk thistle for the treatment of liver disease: a systematic review and meta-analysis. Am J Med. PubMed 12427501
- A systematic review of the versatile effects of the Peruvian Maca Root (Lepidium meyenii) on sexual dysfunction, menopausal symptoms and related conditions. ScienceDirect
- Maca (Lepidium meyenii) for treatment of menopausal symptoms: A systematic review. Maturitas. Maturitas
- Effects of fungal supplementation on endurance, immune function, and hematological profiles in adult athletes: a systematic review and meta-analysis. PMC12631420
- Efficacy and safety of tauroursodeoxycholic acid in the treatment of liver cirrhosis: a double-blind randomized controlled trial. PubMed 23592128
- Tauroursodeoxycholic Acid May Improve Liver and Muscle but Not Adipose Tissue Insulin Sensitivity in Obese Men and Women. Diabetes. Diabetes Journals
Stand: 04.10.2026. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.